Gemein­nüt­zi­ger Drehstangen-Tischfußball

Der Ver­ein, des­sen Ver­eins­zweck die För­de­rung des Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­balls ist, ist ‑mit Aus­nah­me der Ein­künf­te aus sei­nem wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb- gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG i.V.m. § 52 Abs. 2 Nr. 2 AO von der Kör­per­schaft­steu­er befreit, weil die För­de­rung des wett­kampf­mä­ßig betrie­be­nen Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­balls För­de­rung des Sports ist.

Gemein­nüt­zi­ger Drehstangen-Tischfußball

Nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 S. 1 KStG ist eine Kör­per­schaft von der Kör­per­schaft­steu­er befreit, wenn sie nach ihrer Sat­zung und tat­säch­li­chen Geschäfts­füh­rung aus­schließ­lich und unmit­tel­bar gemein­nüt­zi­gen Zwe­cken dient. Im Ein­zel­nen sind die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung, die die Kör­per­schaft hin­sicht­lich ihrer Sat­zung und tat­säch­li­chen Geschäfts­füh­rung erfül­len muss, in den §§ 52 ff. AO gere­gelt (§ 51 AO). Soweit die Kör­per­schaft einen wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trieb unter­hält, ist die Steu­er­be­frei­ung gem. § 5 Abs. 1 Nr. 9 S. 2 KStG ausgeschlossen.

Gemäß § 52 Abs. 1 S. 1 AO ver­folgt eine Kör­per­schaft gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke, wenn ihre Tätig­keit dar­auf gerich­tet ist, die All­ge­mein­heit auf mate­ri­el­len, geis­ti­gen oder sitt­li­chen Gebiet selbst­los zu för­dern. Eine För­de­rung der All­ge­mein­heit setzt vor­aus, dass der Kreis der Per­so­nen, denen die För­de­rung zu Gute kommt, weder fest abge­schlos­sen ist noch dau­ernd nur klein sein kann (§ 52 Abs. 1 S.2 AO). Unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 52 Abs. 1 AO ist als För­de­rung der All­ge­mein­heit auch die För­de­rung des Sports anzu­er­ken­nen (§ 52 Abs. 2 Nr. 2 S. 1 AO).

Die Tätig­keit der Klä­ge­rin in Gestalt des Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­balls ist als För­de­rung der All­ge­mein­heit im Sin­ne des § 52 Abs. 1 S. 1 und Abs. 2 Nr. 2 S.1 AO anzu­er­ken­nen, da es sich dabei um Sport i. S. d. Geset­zes handelt.

Mit der Aus­le­gung des Begriffs Sport im Rah­men der gesetz­li­chen Bestim­mung des § 52 Abs. 2 Nr. 2 S. 1 AO hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof aus­führ­lich [1] aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Senat schließt sich die­ser Umschrei­bung des Begriffs Sport an. Danach umfasst der Begriff Sport im Sin­ne die­ser Geset­zes­vor­schrift Betä­ti­gun­gen, die die all­ge­mei­ne Defi­ni­ti­on des Sports erfül­len und die der kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung die­nen. Erfor­der­lich ist daher eine kör­per­li­che, über das ansons­ten übli­che Maß hin­aus­ge­hen­de Akti­vi­tät, die durch äußer­lich zu beob­ach­ten­de Anstren­gun­gen oder durch die einem per­sön­li­chen Kön­nen zure­chen­ba­re Kunst­be­we­gun­gen gezeich­net ist. Ein wesent­li­ches Merk­mal des Begriffs Sport im Sin­ne des § 52 Abs. 2 Nr. 2 S. 1 AO ist die kör­per­li­che Ertüch­ti­gung. Soweit sich aus den Aus­füh­run­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs zu der Tisch­fuß­ball-Vari­an­te Tipp-Kick [2] erge­ben könn­te, dass der Sport auch die kör­per­li­che Ertüch­ti­gung durch Lei­bes­übung för­dern müs­se, hat der Bun­des­fi­nanz­hof die­se Rechts­spre­chung aus­drück­lich auf­ge­ge­ben. Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht in der Kon­se­quenz sämt­li­che For­men des Motor­sports und auch das Sport­schie­ßen als Sport im Sin­ne des § 52 Abs. 2 Nr. 2 S. 1 AO an [3].

Legt man die­se Umschrei­bung des Begriffs Sports zugrun­de, so fällt auch der Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­ball, ins­be­son­de­re soweit er – wie von dem Klä­ger geför­dert – wett­kampf­mä­ßig in Gestalt von Liga­spie­len, Welt­meis­ter­schaf­ten und Tur­nie­ren betrie­ben wird, dar­un­ter. Wie sich aus den umfang­rei­chen tat­säch­li­chen Aus­füh­run­gen des Klä­gers zu die­ser Sport­art ergibt und wie das Gericht auch aus eige­ner Anschau­ung weis, stellt der Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­ball ins­be­son­de­re in sei­ner Wett­kampfsva­ri­an­te eine über das ansons­ten übli­che Maß hin­aus­ge­hen­de Akti­vi­tät dar. Dar­über hin­aus erfor­dert er auch, was die Betä­ti­gung der Dreh­stan­gen anbe­langt, in hohem Maße einem per­sön­li­chen Kön­nen zure­chen­ba­re Kunstbewegungen.

Die von dem Klä­ger geför­der­te Vari­an­te des Tisch­fuß­balls ist inso­fern abzu­gren­zen von den Tisch­fuß­ball-Vari­an­ten Sub­bu­teo und Tipp-Kick. Die bis­he­ri­ge, eine För­de­rung des Sports ableh­nen­de Rechts­spre­chung der Finanz­ge­rich­te betraf ledig­lich die­se bei­den Vari­an­ten des Tisch­fuß­balls [4].

Das für die steu­er­recht­li­che För­de­rungs­wür­dig­keit ent­schei­den­de Kri­te­ri­um ist die Eig­nung des Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­balls zur kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung [5]. Die hier zu beur­tei­len­de Vari­an­te des Tisch­fuß­balls eig­net sich auf­grund des dafür erfor­der­li­chen Kör­per­ein­sat­zes und der sich erge­ben­den Anfor­de­run­gen an Kon­zen­tra­ti­on und Kon­di­ti­on zur kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung der Spie­ler. Der Dreh­stan­gen-Tisch­fuß­ball erfor­dert einen wesent­lich höhe­ren Kraft- und Bewe­gungs­auf­wand als die Tisch­fuß­ball­va­ri­an­ten Sub­bu­teo und Tipp-Kick. und stellt auf­grund der Spiel­ge­schwin­dig­keit weit höhe­re Anfor­de­rung an das Kon­zen­tra­ti­ons- und Reak­ti­ons­ver­mö­gen der Spie­ler. Die Eig­nung zur kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung ist auch augen­fäl­lig, wenn man die von dem Klä­ger geför­der­te Tisch­fuß­ball-Vari­an­te hin­sicht­lich ihrer Anfor­de­run­gen an Geschick, kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­ver­mö­gen mit ande­ren Sport­ar­ten ver­gleicht, deren Eig­nung zur kör­per­li­chen Ertüch­ti­gung in Recht­spre­chung und Ver­wal­tung aner­kannt ist (so z.B. Motor­sport, Segel­flie­gen, Dart und Sportschießen).

Der von dem Klä­ger in den Streit­jah­ren betrie­be­ne wirt­schaft­li­che Geschäfts­be­trieb ist von der Steu­er­be­frei­ung aus­zu­neh­men, des­we­gen bleibt es bei der Kör­per­schaft­steu­er­fest­set­zung mit 0,– Euro (für 2005 ergibt sich das aus Ver­lust­rück­trä­gen des Jah­res 2006). Es sind ledig­lich zusätz­lich Fest­stel­lun­gen dahin gehend zu tref­fen und in die vor­han­de­nen Kör­per­schaft­steu­er­be­schei­de auf­zu­neh­men, dass der Klä­ger mit Aus­nah­me des wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­triebs aus­schließ­lich und unmit­tel­bar gemein­nüt­zi­ge Zwe­cke ver­folgt und inso­weit von der Kör­per­schaft­steu­er befreit ist. Hin­sicht­lich der wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­be erge­ben sich auch kei­ne ande­ren Beur­tei­lun­gen aus § 67 a AO, zumal kei­ne ent­spre­chen­den Anträ­ge sei­tens des Klä­gers gestellt wor­den sind.

Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 23. Juni 2010 – 4 K 501/​09

  1. in BFH, Urteil vom 29.10.1997 – I R 13/​97, BStBl. II 1998, 9[]
  2. BFH, Urteil vom 12.11.1996 – I R 204/​85, BFH/​NV 1987, 705[]
  3. vgl. zum Gan­zen BFH, Urteil vom 29.10.1997 – I R 13/​97, BStBl. II 1998, 9 m.w.N.[]
  4. zu Sub­bu­teo: FG Köln vom 17.10.1994, juris; zu Tipp-Kick: BFH, Beschluss vom 28.05.1986 – I S 17/​85; und BFH, Urteil vom 12.11.1986 – I R 204/​85, BFH/​NV 1987, 705; sowie das der BFH-Ent­schei­dung vor­her­ge­hen­de erst­in­stanz­li­che Urteil: FG Ber­lin, Urteil vom 09.09.1985, EFG 1986, 419[]
  5. so auch BFH, Urteil vom 29.10.1997 – I R 13/​97, BStBl. II 1998, 9 für die Fra­ge der För­de­rungs­wür­dig­keit des Motor­sports[]