Der Verein haftet für seine Vorstände

Es gibt wohl kaum einen Verein, bei dem sich nicht irgendwann mal die Frage stellt, ob der Verein für den einem Dritten entstandenen Schaden haften muss.

Der Verein haftet für seine Vorstände

Vertragliche Haftung:[↑]

Unproblematisch ist zunächst die Frage einer Haftung des Vereins aus geschlossenen Verträgen. Hat der Vorstand oder ein anderer satzungsgemäß berufener Vertreter des Vereins mit einem Dritten einen Vertrag im Namen des Vereins geschlossen, haftet allein der Verein dem Vertragspartner für die Erfüllung der in diesem Vertrag eingegangenen Verpflichtungen. Verletzt der für den Verein Handelnde eine dem Verein aus diesem Vertrag obliegende Verpflichtung, haftet der Verein dem Vertragspartner für den hieraus entstandenen Schaden. Diese Organhaftung greift bei einem Handeln des Vereinsvorstandes, aber auch bei einem Handeln für andere Vertreter des Vereins.

Ausgeschlossen ist eine Haftung des Vereins nur dann, wenn das angeblich für den Verein handelnde Vorstandsmitglied sich über eine im Vereinsregister eingetragene Haftungsbeschränkung hinwegsetzt oder offensichtlich außerhalb des Vereinszwecks handelt. Hier haftet dann nicht der Verein, sondern der jeweils Handelnde persönlich.

Haftung für das Handeln von Vereinsorganen:[↑]

Darüber hinaus haftet der Verein aber auch für alle Schäden, die eines seiner Vorstandsmitglieder oder ein anderes Vereinsorgan einem Dritten bei Ausübung seines Vorstandsamtes zufügt.

Handelt die jeweilige Person dagegen als Privatperson oder „nebenbei“, so haftet der Verein nicht für einen hierbei angerichteten Schaden. Mit anderen Worten: Der Verein haftet nur dann für seine Organe, wenn diese gerade in ihrer Eigenschaft etwa als Vorstand, mithin also in Ausführung ihrer Vereinsaufgaben und im Interesse des Vereins gehandelt haben.

Beispiel: Fährt der Leiter der Jugendabteilung die Mitglieder seiner Jugendgruppe zu einer auswärtigen Veranstaltung und verursacht unterwegs einen Unfall, haftet der Verein für den entstandenen Schaden. Allerdings: Trifft in unserem Beispiel den Leiter der Jugendabteilung eine Mitschuld an dem Verkehrsunfall, so kann der geschädigte Dritte diesen neben dem Verein in Anspruch nehmen. Der Geschädigte kann sich also aussuchen, ob er den Verein oder den Schädiger oder beide gemeinsam auf Ersatz des ihm entstandenen Schadens in Anspruch nehmen will.

In diesem Fall stellt sich dann jedoch die zweite Frage, wer den Schaden im Verhältnis zwischen dem Verein und dem Mithaftenden zu tragen hat. Hierbei bedient sich die Rechtsprechung der folgenden Faustregel: Solange dem für den Verein Handelnden nur eine leichte Fahrlässigkeit, d.h. eine leichte Unachtsamkeit, vorgeworfen werden kann, haftet im Innenverhältnis der Verein alleine, dagegen hat bei einem vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Handeln der Schädiger alleine für den Schaden gerade zu stehen und den Verein von den Schadensersatzansprüchen des Geschädigten frei zu stellen. Bei allen anderen Fällen von leichter oder mittlerer Fahrlässigkeit, also bei allen Fällen, die zwischen diesen beiden Extremen liegen, ist der Schaden zwischen dem Verein und dem für den Verein Handelnden nach Billigkeit zu verteilen.

Hierbei ist neben dem Verschuldensgrad etwa zu berücksichtigen, ob die Tätigkeit ein besonders hohes Schadensrisiko in sich birgt oder aber ob eine besondere Einarbeitungszeit erforderlich ist. Will man derartigen Streitigkeiten mit den für den Verein Handelnden aus dem Weg gehen, sollte der Verein derartige Schäden durch eine Haftpflichtversicherung abdecken. Entsteht ein Schaden, weil der Verein fehlerhaft organisiert ist, haftet der Verein allein für den Schaden wegen Organisationsverschuldens.

Dies gilt auch, wenn jemand eine Aufgabe des Vereins übernommen hat, für die ihm z.B. die nach dem Gesetz erforderliche formale Qualifikation fehlt. Der Verein haftet auch nicht nur für seine Vorstandsmitglieder, er haftet für alle Personen, denen ein wichtiger Aufgabenbereich des Vereins übertragen wurde, also beispielsweise für einen Geschäftsführer mit selbstständiger Entscheidungsbefugnis oder auch den Leiter einer Untergruppe des Vereins, etwa den Leiter der Jugendabteilung.

Haftung bei Verletzung von Verkehrssicherungspflichten:[↑]

Darüber hinaus treffen den Verein aber auch bestimmte Pflichten, bei deren Verletzung Schadensersatzansprüche auf ihn zukommen können. So obliegen dem Verein sowohl bei Veranstaltungen wie allgemein im Bereich des eigenen Schützenhauses die so genannten Verkehrssicherungspflichten, nach denen der Verein verpflichtet ist, alles zu unternehmen, um Teilnehmer vor Schäden zu bewahren.

Die Haftpflichtversicherung:[↑]

Bleibt die Frage, wie sich der Verein vor diesen Haftungsfallen schützen kann. Hier bleibt nur eine Lösung: der Abschluss einer entsprechenden Haftpflichtversicherung, in deren Versicherungsbereich nicht nur der Verein selber einbezogen ist, sondern auch die für ihn Handelnden Personen. Wichtig ist dann aber auch, einen Schaden sofort bei der Versicherung zu melden, denn eine verspätete Meldung kann den Versicherungsschutz gefährden. Ebenso darf etwa der Schadensersatzanspruch des Geschädigten auch nicht einfach anerkannt werden, egal für wie „klar“ man die Sachlage hält. Wird ein solches Anerkenntnis ohne vorherige Einwilligung der Haftpflichtversicherung abgegeben, ist der Versicherungsschutz passé. Angenehmer Nebeneffekt der sofortigen Schadensmeldung an die Versicherung ist, dass die Haftpflichtversicherung von da an die vollständige Bearbeitung übernimmt. Ihr obliegt nämlich nicht nur die Regulierung berechtigter Schadensersatzansprüche, sie muss vielmehr auch alle unberechtigten Ansprüche für den versicherten Verein abwehren.