Das Reitturnier — Fehler beim Parcouraufbau

Der Veranstalter eines Reit- und Springturniers haftet für die infolge der Verwendung ungeeigneter Fangständer eingetretene Verletzung eines Reitpferdes, wie jetzt der Bundesgerichthof entschied.

Das Reitturnier — Fehler beim Parcouraufbau

Die Veranstaltung des Reit- und Springturniers ist wie auch andere sportliche Wettkämpfe, bei denen Preise verliehen werden, als Preisausschreiben — einen Unterfall der Auslobung — einzuordnen (§§ 661, 657 BGB)1. Und obwohl es sich bei einem Preisausschreiben (Auslobung) um ein einseitiges Rechtsgeschäft2, bestehen zwischen dem auslobenden Turnierveranstalter und den Teilnehmern schon im Vorfeld der eigentlichen Sachentscheidung durch das Preisgericht Rechtsbeziehungen im Sinne einer schuldrechtlichen Sonderverbindung, aus der (Neben-)Pflichten hinsichtlich der sorgfältigen und ordnungsgemäßen Vorbereitung und Durchführung des Wettbewerbs und hinsichtlich des Schutzes der Teilnehmer vor Gefahren, mit denen sie nicht zu rechnen brauchen, erwachsen (§ 241 Abs. 2 BGB)3.

Der Veranstalter eines Reit- und Springturniers ist daher verpflichtet, eine geeignete Wettkampfanlage zur Verfügung zu stellen, die keine Gefahren aufweist, die über das übliche Risiko hinausgehen und mit denen die Turnierteilnehmer nicht zu rechnen brauchen4. Dabei sind diejenigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, die ein verständiger, umsichtiger, vorsichtiger und gewissenhafter Angehöriger der betreffenden Verkehrskreise für ausreichend halten darf, um andere Personen vor Schäden zu bewahren, und die ihm den Umständen nach zuzumuten sind5.

Dabei haftet der Turnierveranstalter auch für das Verschulden seiner Erfüllungsgehilfen, § 278 BGB, wobei der Parcourschef und der Turnierrichter als Erfüllungsgehilfen des das Turnier veranstaltenden Vereins im Sinne von § 278 BGB einzuordnen sind, und zwar auch dann, wenn der Veranstalter bei dem Einsatz dieser Personen an die Vorgaben der Reitverbände gebunden gewesen und insoweit nur über einen sehr eingeschränkten Spielraum verfügt hat.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 23. September 2010 — III ZR 246/09
[Eine ausführliche Darstellung dieses Urteils findet sich in der Rechtslupe.]

  1. BGH, Urteil vom 06.04.1966 — Ib ZR 82/64, MDR 1966, 572 [Galopprennen]; OLG Köln, VersR 1997, 125, 126 [Reitturnier]; Palandt/Sprau, BGB, 69. Aufl., § 661 Rn. 1; Erman/Ehmann, BGB, 12. Aufl., § 661 Rn. 1; Staudinger/Bergmann, BGB [2006], § 661 Rn. 9 []
  2. BGH, Urteil vom 23.09.1982 — III ZR 196/80, NJW 1983, 442, 443; OLG Köln, aaO; Palandt/Sprau, aaO § 657 Rn. 1; MünchKommBGB/Seiler, 5. Aufl., § 657 Rn. 4; a.A. Staudinger/Bergmann aaO § 657 Rn. 13 f und § 661 Rn. 4 [Vertrag] []
  3. vgl. BGH, Urteile vom 23.09.1982, aaO; und vom 09.06.1983 — III ZR 74/82, NJW 1984, 1118; OLG Köln, aaO; Palandt/Sprau aaO § 661 Rn. 4; Seiler aaO § 661 Rn. 11, 12; Bergmann aaO § 661 Rn. 14, 22; Ehmann aaO § 661 Rn. 1 []
  4. vgl. hierzu BGH, Urteil vom 03.06.2008 — VI ZR 223/07, NJW 2008, 3775, 3776 Rn. 10; OLG Köln, aaO []
  5. vgl. BGH, Urteil vom 03.06.2008, aaO Rn. 9 m.w.N. []