Amateurvereine – und das Reglement des Dachverbandes

23. September 2016 | Vereinsrecht
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Der Bundesgerichtshof hat der Klage des SV Wilhelmshaven e.V. gegen den Norddeutschen Fußballverband e.V. wegen der Anordnung eines Zwangsabstiegs stattgegeben und dabei über die Grenzen der Disziplinarbefugnis eines Vereins entschieden:

Inhaltsübersicht



Was war geschehen?[↑]

Der SV Wilhelmshaven, der SV Wilhelmshaven e.V., begehrt die Feststellung der Unwirksamkeit eines Beschlusses des Norddeutsche Fußballverbandn, des Norddeutschen Fußballverbands e.V., mit dem dieser den Zwangsabstieg der 1. Fußballmannschaft (Herren) des SV Wilhelmshaven zum Ende der Spielzeit 2013/14 aus der Regionalliga Nord verfügt hat.

Der Norddeutsche Fußballverband ist Mitglied des Deutschen Fußballbunds e.V. (DFB), der wiederum Mitglied der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) ist. Nach dem Reglement der FIFA “bezüglich Status und Transfer von Spielern” ist von einem Verein, der einen Spieler eines anderen Vereins übernimmt, im Rahmen bestimmter Altersgrenzen eine Entschädigung für die Ausbildung des Spielers zu zahlen. Der SV Wilhelmshaven hatte vom 29.01.bis zum 30.06.2007 für seine damalige Regionalligamannschaft einen 1987 geborenen Fußballspieler mit (jedenfalls auch) italienischer Staatsangehörigkeit verpflichtet, der zuvor bei zwei argentinischen Fußballvereinen gespielt hatte. Auf Antrag der beiden argentinischen Vereine setzte die zuständige Kammer der FIFA im Dezember 2008 Ausbildungsentschädigungen in Höhe von insgesamt 157.500 € gegen den SV Wilhelmshaven fest. Dagegen rief der SV Wilhelmshaven den Court of Arbitration for Sports (CAS) an. Dieser bestätigte die Ausbildungsentschädigungen. Da der SV Wilhelmshaven die Entschädigungen trotz Verhängung einer Geldstrafe, Gewährung einer letzten Zahlungsfrist und Abzugs von Punkten in der Ligameisterschaft nicht an die beiden argentinischen Vereine zahlte, sprach die Disziplinarkommission der FIFA am 5.10.2012 den Zwangsabstieg der 1. Fußballmannschaft (Herren) des SV Wilhelmshaven aus. Nach der Bestätigung dieser Maßnahme durch den wiederum vom SV Wilhelmshaven angerufenen CAS forderte die FIFA den Deutschen Fußballbund (DFB) auf, den Zwangsabstieg umzusetzen. Der DFB reichte diese Bitte an den NFV weiter, dessen Präsidium beschloss sodann den Zwangsabstieg. Eine dagegen gerichtete Beschwerde des SV Wilhelmshaven wies das Verbandsgericht des NFV zurück.

Die gegen den Zwangsabstieg zum Ende der Spielzeit 2013/14 gerichtete Klage blieb erstinstanzlich beim hiermit befassten Landgericht Bremen ohne Erfolg1. Dagegen hat auf die Berufung des SV Wilhelmshaven das Hanseatische Oberlandesgericht in Bremen festgestellt, dass der Beschluss des NFV, mit dem der Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven verfügt wurde, unwirksam ist2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. September 2016 – – II ZR 25/15

  1. LG Bremen, Urteil vom 25.04.2014 – 12 O 129/13
  2. OLG Bremen, Urteil vom 30.12.2014 – 2 U 67/14

 
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