Kein Scha­dens­er­satz trotz rechts­wid­ri­gem Zwangs­ab­stieg – der Fall des SV Wil­helms­ha­ven

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt über den Anspruch des Fuß­ball­ver­eins auf Wie­der­zu­las­sung zur Teil­nah­me am Spiel­be­trieb in der Regio­nal­li­ga nach einem zu Unrecht ange­ord­ne­ten Zwangs­ab­stieg ent­schie­den:

Kein Scha­dens­er­satz trotz rechts­wid­ri­gem Zwangs­ab­stieg – der Fall des SV Wil­helms­ha­ven

Dem zugrun­de liegt ein Rechts­streit zwi­schen dem SV Wil­helms­ha­ven und dem Nord­deut­schen Fuß­ball-Ver­bands (NFV). Der beklag­te NFV führt als regio­na­ler Fuß­ball­ver­band den Spiel­be­trieb der bei ihm ein­ge­rich­te­ten Ligen und Wett­be­wer­be, u.a. die Regio­nal­li­ga Nord in der viert­höchs­ten Spiel­klas­se, durch. Der kla­gen­de SV Wil­helms­ha­ven ist ein Sport­ver­ein, der wäh­rend der Zeit, in der sei­ne Mann­schaft in der Regio­nal­li­ga Nord spiel­te, Mit­glied des NFV war. Der­zeit spielt die Mann­schaft des Ver­eins in der Bezirks­klas­se.

Im Dezem­ber 2013 beschloss das Prä­si­di­um des NFV den Zwangs­ab­stieg des SV Wil­helms­ha­ven aus der Regio­nal­li­ga Nord zum Ende der Spiel­zeit 2013/​2014. Der Bun­des­ge­richts­hof hat den Zwangs­ab­stiegs­be­schluss mit Urteil vom 20.09.2016 für nich­tig erklärt [1]. Der Ver­ein begehrt nun­mehr von dem Nord­deut­schen Fuß­ball-Ver­band Scha­dens­er­satz in Form der Zulas­sung sei­ner Mann­schaft zum Spiel­be­trieb der Regio­nal­li­ga Nord zur nächs­ten Spiel­zeit.

Die Kla­ge hat­te in den Vor­in­stan­zen weder vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Land­ge­richt Bre­men [2] noch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men [3] Erfolg. Mit der vom Ober­lan­des­ge­richt im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folg­te der Ver­ein sei­nen Antrag auf Zulas­sung zum Spiel­be­trieb wei­ter, schei­ter­te nun aber auch letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­ge­richts­hof, der die Bre­mer Ent­schei­dun­gen bestä­tig­te und nun auch die Revi­si­on des SV Wil­helms­ha­ven gem. § 552a ZPO durch Beschluss ohne münd­li­che Ver­hand­lung zurück­wies:

Dem Fuß­ball­ver­ein steht wegen des rechts­wid­ri­gen Ein­griffs in sein Mit­glied­schafts­recht durch den Zwangs­ab­stieg zwar nach § 249 Abs. 1 BGB ein Anspruch auf Scha­dens­er­satz in Form der soge­nann­ten Natu­ral­re­sti­tu­ti­on zu. Er kann die Her­stel­lung des Zustands ver­lan­gen, der bestün­de, wenn er nicht zwangs­ab­ge­stie­gen wäre. Nach die­sem Grund­satz kann er aber kei­ne Zulas­sung zur Teil­nah­me am Spiel­be­trieb in der nun­mehr anste­hen­den nächs­ten Spiel­zeit ver­lan­gen. Ihm steht ledig­lich ein Anspruch dar­auf zu, so gestellt zu wer­den, wie er heu­te stün­de, wenn er in der Spiel­zeit 2014/​2015 noch am Spiel­be­trieb in der Regio­nal­li­ga Nord teil­ge­nom­men hät­te. Nach dem inso­weit maß­geb­li­chen Regel­werk des NFV, d.h. sei­nem Sta­tut sowie sei­ner Spiel­ord­nung nebst Anhän­gen, bezieht sich der mit der Mit­glied­schaft im NFV ver­bun­de­ne Anspruch auf Teil­nah­me am Zulas­sungs­ver­fah­ren für den Spiel­be­trieb der vom NFV ver­an­stal­te­ten Liga nur auf die jeweils anschlie­ßen­de nächs­te Spiel­zeit.

Der Fuß­ball­ver­ein kann daher nur dann sei­ne Zulas­sung zum Spiel­be­trieb der Regio­nal­li­ga Nord in der nächs­ten anste­hen­den Spiel­zeit ver­lan­gen, wenn mit hin­rei­chen­der Wahr­schein­lich­keit davon aus­ge­gan­gen wer­den könn­te, dass er bei einer Teil­nah­me in der Spiel­zeit 2014/​2015 auch heu­te noch in der Regio­nal­li­ga Nord spie­len wür­de. Dies hat der SV Wil­helms­ha­ven hier aber nicht nach­ge­wie­sen, wie das OLG Bre­men zu Recht ange­nom­men hat. Inso­weit greift weder ein Anscheins­be­weis zu Guns­ten des Ver­eins, dass er nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung auf­grund eines typi­schen Gesche­hens­ab­laufs über die Spiel­zeit 2014/​2015 hin­aus bis heu­te in der Regio­nal­li­ga Nord ver­blie­ben wäre, noch lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer ande­ren Beweis­erleich­te­rung vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. April 2020 – – II ZR 417/​18

  1. BGH, Urteil vom 20.09.2016 – II ZR 25/​15, BGHZ 212, 70[]
  2. LG Bre­men, Urteil vom 25.04.2018 – 9 O 664/​17[]
  3. OLG Bre­men, Urteil vom 30.11.2018 – 2 U 44/​18[]