Ent­gan­ge­ner Gewinn bei einer Sport­wet­te – und das Risi­ko des Spie­lers

Es besteht kein Anspruch auf Scha­dens­er­satz auf­grund einer angeb­lich fal­schen Schieds­rich­ter­ent­schei­dung, wenn dadurch kein Wett­ge­winn erzielt wer­den konn­te.

Ent­gan­ge­ner Gewinn bei einer Sport­wet­te – und das Risi­ko des Spie­lers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Nürn­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Wett­spie­lers abge­wie­sen. Der Klä­ger ist der Auf­fas­sung, dass wäh­rend des Bun­des­li­ga­spiels des 1. FC Nürn­berg gegen Schal­ke 04 der Schieds­rich­ter in der ers­ten Halb­zeit eine Fehl­ent­schei­dung getrof­fen habe. Die­ser habe ein Tor von Han­no Beh­rens zuguns­ten des 1. FC Nürn­berg nicht gewer­tet, wel­ches regu­lär gewe­sen sei. Der Schieds­rich­ter habe zu Unrecht vor­her ein Stür­merfoul gepfif­fen. Hät­te der Schieds­rich­ter rich­tig ent­schie­den, wäre der Wett-Tipp des Klä­gers, wonach in der ers­ten Halb­zeit min­des­tens ein Tor erzielt wer­de, zutref­fend gewe­sen und er hät­te einen Gewinn­be­trag in Höhe von 190,97 Euro bekom­men. Daher hat er gegen die Deut­sche Fuß­ball Liga Kla­ge auf Ersatz eines Scha­dens­er­satz­be­tra­ges in Höhe von 190,97 Euro erho­ben.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Nürn­berg aus­ge­führt, dass es kei­ne Anspruchs­grund­la­ge gibt, wonach der Klä­ger sei­nen Scha­den ver­lan­gen kann. Zunächst habe der Klä­ger kei­ne ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zur Deut­schen Fuß­ball Liga. Er habe sich ledig­lich an einem Wett­spiel eines Spon­so­ring­part­ners der Beklag­ten betei­ligt.

Das Amts­ge­richt Nürn­berg sieht aber auch kei­nen soge­nann­ten delik­ti­schen Anspruch aus uner­laub­ter Hand­lung. Ein Anspruch kön­ne sich allen­falls dar­aus erge­ben, dass ein Schutz­ge­setz – wie etwa das des Betru­ges – ver­letzt wor­den sei. Vor­lie­gend kön­ne von einem sol­chen Fall jedoch nicht aus­ge­gan­gen wer­den, da kei­ne Anhalts­punk­te dafür vor­lä­gen und vom Klä­ger im Übri­gen auch nicht vor­ge­tra­gen wor­den sei­en, dass der Schieds­rich­ter bewusst und damit vor­sätz­lich eine Fehl­ent­schei­dung getrof­fen habe. Selbst wenn eine schieds­rich­ter­li­che Fehl­ent­schei­dung vor­lie­ge, kön­ne es sich bei lebens­na­her Betrach­tung und Ein­satz des gesun­den Men­schen­ver­stan­des allen­falls um eine fahr­läs­si­ge Fehl­ent­schei­dung gehan­delt haben. Es exis­tie­re aber kein Schutz­ge­setz, wel­ches vor fahr­läs­si­gen Fehl­ent­schei­dun­gen schützt, die das Ver­mö­gen beein­träch­ti­gen.

Ergän­zend stellt das Amts­ge­richt Nürn­berg fest, dass ein nach den Vor­ga­ben des Schieds­rich­ter­aus­schus­ses qua­li­fi­zier­ter Schieds­rich­ter auch kein Erfül­lungs­ge­hil­fe des Wett­an­bie­ters sei und dass des­sen Ver­hal­ten im Ergeb­nis auch des­halb der Deut­schen Fuß­ball­li­ga nicht zuge­rech­net wer­den kön­ne. Der Schieds­rich­ter sei nicht ledig­lich pro for­ma an das Berufs­bild des Rich­ters ange­lehnt, wes­halb er grund­sätz­lich wie ein „ech­ter“ Rich­ter in sei­nen Ent­schei­dun­gen unab­hän­gig sein müs­se. Des­halb kön­ne er nur dann in Haf­tung genom­men wer­den, wenn er eine Straf­tat bege­he. Ein Schieds­rich­ter tref­fe nach den DFB-Fuß­ball­re­geln Tat­sa­chen­ent­schei­dun­gen, wel­che er nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen im Sin­ne der Spiel­re­gen und im Geis­te des Fuß­bal­les tref­fen müs­se. Ein rei­bungs­lo­ser Spiel­be­trieb set­ze die Unab­hän­gig­keit des Schieds­rich­ters und die Unan­fecht­bar­keit sei­ner Ent­schei­dun­gen vor­aus. Auch Fehl­ent­schei­dun­gen sei­en bereits in der Art und Wei­se des Spiels und der schieds­rich­ter­li­chen Beob­ach­tung ange­legt. Dar­an kön­ne auch der vor kur­zem ein­ge­führ­te Video­be­weis nichts ändern, da die­ser ledig­lich im Fal­le wich­tigs­ter Spiel­si­tua­tio­nen und Ent­schei­dun­gen den Schieds­rich­ter unter­stüt­zen sol­le.

Die Teil­nah­me an einer Sport­wet­te wer­de vor dem Hin­ter­grund der Unge­wiss­heit des Spiel­ver­laufs und des Spiel­aus­gangs, aber auch der Mög­lich­keit von schieds­rich­ter­li­chen Fehl­ent­schei­dun­gen wie auch Fehl­hand­lun­gen von Spie­lern, gera­de erst span­nend, sprich­wört­lich unkal­ku­lier­bar und damit für den Abschluss einer Wet­te attrak­tiv. Jeder Wett­teil­neh­mer müs­se das Risi­ko sei­nes Wett­ge­schäfts eigen­ver­ant­wort­lich abwä­gen und blei­be für sei­ne Ent­schei­dung zur Wett­teil­nah­me selbst ver­ant­wort­lich.

Amts­ge­richt Nürn­berg, Urteil vom 19. Sep­tem­ber 2019 – 22 C 2823/​19