Eine gemein­nüt­zi­ge Insti­tu­ti­on für die kirch­li­che Medienarbeit

Die Wahr­neh­mung der all­ge­mei­nen Inter­es­sen der Gesell­schaf­ter (hier: christ­li­che Kir­che und kir­chen­na­her Ver­ein) durch eine gemein­nüt­zi­ge GmbH ist kei­ne der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­de Tätig­keit, wenn die Tätig­keit der GmbH einer bestimm­ten Per­so­nen­grup­pe (hier: allen christ­li­chen Kir­chen) zugu­te­kommt und sich eine Wir­kung zuguns­ten der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter nur mit­tel­bar aus die­sen Vor­tei­len ablei­tet. Eine aus zwei Gesell­schaf­tern bestehen­de gemein­nüt­zi­ge GmbH kann ein Per­so­nen­zu­sam­men­schluss i.S. des Art. 132 Abs. 1 Buchst. f MwSt­Sys­tRL und eine Ein­rich­tung ohne Gewinn­stre­ben i.S. des Art. 132 Abs. 1 Buchst. l MwSt­Sys­tRL sein. Ein steu­er­ba­rer Umsatz in Form einer Leis­tung gegen Ent­gelt i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG liegt nur vor, wenn ein iden­ti­fi­zier­ba­rer Leis­tungs­emp­fän­ger vor­han­den ist, der einen Vor­teil erhält, der zu einem Ver­brauch im Sin­ne des gemein­sa­men Mehr­wert­steu­er­sys­tems führt.

Eine gemein­nüt­zi­ge Insti­tu­ti­on für die kirch­li­che Medienarbeit

Tätig­kei­ten einer gemein­nüt­zi­gen GmbH zuguns­ten ihrer Mit­glie­der kön­nen mit­hin unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht umsatz­steu­er­pflich­tig sein. Die­se Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hof könn­ten posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen für ande­re Per­so­nen­zu­sam­men­schlüs­se haben, die der­ar­ti­ge „Leis­tun­gen“ an ihre Mit­glie­der erbrin­gen. Gemein­sa­me Ein­rich­tun­gen, die poli­ti­sche, gewerk­schaft­li­che, reli­giö­se, patrio­ti­sche, welt­an­schau­li­che, phil­an­thro­pi­sche oder staats­bür­ger­li­che Zie­le ver­fol­gen, könn­ten eben­falls profitieren.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall grün­de­ten eine Kir­che und ein kir­chen­na­her Ver­ein (einer ande­ren Kir­che) eine gemein­nüt­zi­ge GmbH, die mit jour­na­lis­ti­schen Mit­teln den Ver­kün­di­gungs­auf­trag erfül­len soll­te. Die GmbH belie­fer­te wie eine Nach­rich­ten­agen­tur ca. 15 Tages­zei­tun­gen als Kun­den mit Mel­dun­gen, die christ­li­che Wert­vor­stel­lun­gen und ethi­sche Posi­tio­nen ver­brei­ten soll­ten, gegen eine gerin­ge „Schutz­ge­bühr“. Der ver­blei­ben­de Finanz­be­darf wur­de durch Zuwen­dun­gen der kirch­li­chen Gesell­schaf­ter gedeckt.

Die GmbH ging davon aus, dass sie kei­ne Leis­tun­gen an ihre Gesell­schaf­ter erbrin­ge und die Ver­lust­über­nah­me durch ihre Gesell­schaf­ter auf dem Gesell­schafts­ver­hält­nis beru­he. Das Finanz­amt wie auch das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg[1] waren hin­ge­gen der Mei­nung, dass die GmbH an ihre Gesell­schaf­ter umsatz­steu­er­pflich­ti­ge sons­ti­ge Leis­tun­gen in Form der „Medi­en­ar­beit“ erbracht habe, für die sie die Zuwen­dun­gen der Gesell­schaf­ter als Ent­gelt erhal­te. Im Revi­si­ons­ver­fah­ren wand­te die GmbH erst­mals ein, dass ihre Leis­tun­gen jeden­falls nach Uni­ons­recht umsatz­steu­er­frei sein müss­ten. Auf die­se Rüge hob der Bun­des­fi­nanz­hof die Vor­ent­schei­dung auf und ver­wies den Rechts­streit an das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg zurück:

Dabei wies der Bun­des­fi­nanz­hof wies dar­auf hin, dass das Uni­ons­recht inso­weit zwei mög­li­che Steu­er­be­frei­un­gen ent­hal­te, die in den Streit­jah­ren (2011 bis 2013) bei­de nicht in natio­na­les Recht umge­setzt waren – es kön­ne sich sowohl um steu­er­freie Leis­tun­gen eines Per­so­nen­zu­sam­men­schlus­ses an sei­ne gemein­nüt­zi­gen Mit­glie­der gegen Erstat­tung der genau­en Kos­ten als auch um steu­er­freie Leis­tun­gen einer Ein­rich­tung ohne Gewinn­stre­ben an ihre Mit­glie­der zu reli­giö­sen Zwe­cken gegen einen sat­zungs­ge­mäß fest­ge­leg­ten Bei­trag han­deln. Davon unab­hän­gig muss das FG aber auch prü­fen, ob die GmbH tat­säch­lich der Umsatz­steu­er unter­lie­gen­de Leis­tun­gen an ihre Gesell­schaf­ter erbracht hat. Der BFH ent­schied, dass die Wahr­neh­mung der all­ge­mei­nen Inter­es­sen der Gesell­schaf­ter durch eine gGmbH kei­ne der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­de Tätig­keit ist, wenn die Tätig­keit der GmbH einer bestimm­ten Per­so­nen­grup­pe (hier: allen christ­li­chen Kir­chen) zugu­te­kommt und sich der Vor­teil für den ein­zel­nen Gesell­schaf­ter nur mit­tel­bar aus die­sen all­ge­mei­nen Vor­tei­len für alle Kir­chen ableitet.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2020 – XI R 35/​18

  1. FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 13.09.2018 – 1 K 1967/​17[]