Der Reitsportverein und die Pensionspferdehaltung

Dienstleistungen, die ein gemeinnütziger Reitsportverein im Rahmen einer Pensionspferdehaltung erbringt, können von der Umsatzsteuer befreit sein oder dem ermäßigten Steuersatz unterliegen.

Der Reitsportverein und die Pensionspferdehaltung

Für die vom Verein im Rahmen der Pferdepension erbrachten Leistungen kommt die Steuerbefreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG in Betracht.

Die Leistungen des Vereins betreffend die Pensionspferdehaltung erfüllen im hier vom Bundesfinanzhof entschiedenen Streitfall nicht die Voraussetzungen des § 4 Nr. 22 Buchst. b UStG1. Die vom Verein im Rahmen seiner Pferdepension erbrachten Leistungen können aber nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der 6. Mehrwertsteuer-Richtlinie 77/388/EWG (nunmehr Art. 132 Abs. 1 Buchst. m MwStSystRL) von der Umsatzsteuer befreit sein.

Gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 der Richtlinie 77/388/EWG befreien die Mitgliedstaaten “unter den Bedingungen, die sie zur Gewährleistung einer korrekten und einfachen Anwendung der nachstehenden Befreiungen sowie zur Verhütung von Steuerhinterziehungen, Steuerumgehungen und etwaigen Missbräuchen festsetzen”, von der Umsatzsteuer:

“m)) bestimmte in engem Zusammenhang mit Sport und Körperertüchtigung stehende Dienstleistungen, die Einrichtungen ohne Gewinnstreben an Personen erbringen, die Sport oder Körperertüchtigung ausüben;”

Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b der Richtlinie 77/388/EWG bestimmt:

“Von der in Absatz 1 Buchstaben … m)) … vorgesehenen Steuerbefreiung sind Dienstleistungen und Lieferungen von Gegenständen ausgeschlossen, wenn

  • sie zur Ausübung der Tätigkeiten, für die Steuerbefreiung gewährt wird, nicht unerlässlich sind;
  • sie im Wesentlichen dazu bestimmt sind, der Einrichtung zusätzliche Einnahmen durch Tätigkeiten zu verschaffen, die in unmittelbarem Wettbewerb mit Tätigkeiten von der Mehrwertsteuer unterliegenden gewerblichen Unternehmen durchgeführt werden.”

Das UStG hat diese Bestimmung bislang nicht vollständig umgesetzt2.

Ein Einzelner kann sich in Ermangelung fristgemäß erlassener Umsetzungsmaßnahmen auf Bestimmungen einer Richtlinie, die inhaltlich als unbedingt und hinreichend genau erscheinen, gegenüber allen nicht richtlinienkonformen innerstaatlichen Vorschriften berufen3.

Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG zählt die Tätigkeiten, die steuerfrei sind, hinreichend genau und unbedingt auf4.

Der Bundesfinanzhof hat bereits entschieden, dass für einen gemeinnützigen Reitverein, der -wie der Verein- ohne Gewinnstreben handelt und eine Pensionspferdehaltung betreibt, die begehrte Steuerbefreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG in Betracht kommen kann5.

Nach der Rechtsprechung des Unionsgerichtshofs sind bei der Anwendung von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG folgende Rechtsgrundsätze zu beachten:

  • Zunächst ist zu berücksichtigen, dass die Steuerbefreiungen nach Art. 13 der Richtlinie 77/388/EWG autonome unionsrechtliche Begriffe sind, die eine von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedliche Anwendung des Mehrwertsteuersystems vermeiden sollen6.
  • Ferner ist davon auszugehen, dass die Begriffe, mit denen die Steuerbefreiungen nach Art. 13 der Richtlinie 77/388/EWG umschrieben sind, eng auszulegen sind, da sie Ausnahmen von dem allgemeinen Grundsatz darstellen, dass jede Dienstleistung, die ein Steuerpflichtiger gegen Entgelt erbringt, der Umsatzsteuer unterliegt7. Die Auslegung dieser Begriffe muss jedoch mit den Zielen in Einklang stehen, die mit den Befreiungen verfolgt werden, und den Erfordernissen des Grundsatzes der steuerlichen Neutralität entsprechen, auf dem das gemeinsame Mehrwertsteuersystem beruht. Daher entspricht es nicht dem Sinn dieser Regel einer engen Auslegung, wenn die zur Umschreibung der in Art. 13 Teil A Abs. 1 der Richtlinie 77/388/EWG genannten Befreiungen verwendeten Begriffe so ausgelegt werden, dass sie den Befreiungen ihre Wirkung nehmen8.

Nach der Rechtsprechung des Unionsgerichtshof ist Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG dahin auszulegen, dass er im Kontext von Personen, die Sport ausüben, auch Dienstleistungen erfasst, die in engem Zusammenhang mit Sport stehen und für dessen Ausübung unerlässlich sind, die Leistungen von Einrichtungen ohne Gewinnstreben erbracht werden und die tatsächlich Begünstigten dieser Leistungen Personen sind, die den Sport ausüben9. Dies entspricht dem Sinn dieser Vorschrift (bzw. der Nachfolgebestimmung in Art. 132 Abs. 1 Buchst. m MwStSystRL), wonach bestimmte, dem Gemeinwohl dienende Tätigkeiten gefördert werden sollen, nämlich in engem Zusammenhang mit Sport und Körperertüchtigung stehende Dienstleistungen, die von Einrichtungen ohne Gewinnstreben an Personen erbracht werden, die Sport oder Körperertüchtigung ausüben; auf diese Weise soll eine solche Betätigung durch breite Schichten der Bevölkerung ermöglicht werden10.

Die Steuerbefreiung bestimmt sich insbesondere “nach der Natur der erbrachten Dienstleistung und nach dem Verhältnis der Dienstleistung zur Ausübung von Sport oder Körperertüchtigung”11.

Bei der Gesamtbeurteilung der Frage, ob es sich bei der erbrachten Dienstleistung um eine in engem Zusammenhang mit Sport stehende Leistung handelt, kann auch die Konzeption des Unternehmens zu berücksichtigen sein, die sich aus ihren objektiven Merkmalen ergibt, d.h. den verschiedenen Arten der angebotenen Einrichtungen, ihre Anordnung, ihrer Zahl und ihre Bedeutung im Verhältnis zum Unternehmen insgesamt12.

Ferner hat der Unionsgerichtshof bereits geklärt, dass insoweit die objektive Natur des betreffenden Umsatzes maßgeblich ist, d.h. dass es nicht auf die Absicht jedes einzelnen Nutzers des Unternehmens ankommt13.

Nach der Rechtsprechung des Unionsgerichtshofs müssen die Dienstleistungen mit dem Sport in engem Zusammenhang stehen und ferner “für seine Ausübung unerlässlich” sein14. Als Beispiele hierfür nennt der Unionsgerichtshof die Überlassung von Sportstätten oder die Zurverfügungstellung eines Schiedsrichters; als Beispiel für Leistungen, die die genannten Voraussetzungen nicht erfüllen, nennt er Beratungen im Bereich des Marketings und der Gewinnung von Sponsoren15.

Dabei ist es stets Sache der nationalen Gerichte, zu prüfen, ob die in Rede stehende Dienstleistung in diesem Sinne “unerlässlich” ist16.

Zum genannten Merkmal der “Unerlässlichkeit” stellt der Unionsgerichtshof im Zusammenhang mit anderen unionsrechtlichen Steuerbefreiungstatbeständen insbesondere darauf ab, ob ohne die streitbefangene Dienstleistung keine Gleichwertigkeit der Hauptleistung auf demselben Niveau und mit der gleichen Qualität gewährleistet wäre17.

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sind die Überlassung von Golfbällen und die Nutzungsüberlassung einer Golfanlage an Nichtmitglieder18 sowie die Erteilung von Golfunterricht19 für die Ausübung des Golfsports unerlässlich.

In der Vorinstanz hat das Finanzgericht seiner Entscheidung nicht diese Rechtsgrundsätze zugrunde gelegt, sondern ist von anderen (engeren) Voraussetzungen für die Anwendung der Steuerbefreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG ausgegangen, insbesondere hinsichtlich des Begriffs der Unerlässlichkeit i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b erster Gedankenstrich der Richtlinie 77/388/EWG. Es hat ausgeführt, unerlässlich sei eine Dienstleistung nur, wenn ohne sie die steuerbefreite Tätigkeit nicht möglich wäre; daran fehle es, wenn die Dienstleistung für die steuerbegünstigte Tätigkeit entbehrlich sei.

Diese enge Definition20 weicht von der dargelegten Rechtsprechung des Unionsgerichtshofs ab. Sie findet auch in den vom Finanzgericht hierzu zitierten Urteilen des Bundesfinanzhofs21 keine (hinreichende) Stütze22.

Dementsprechend hat das Finanzgericht zu Unrecht darauf abgestellt, ob “der satzungsmäßige Zweck eines Reitsportvereins … allein durch Unterhaltung eines Pensionspferdebetriebs erreicht werden und nur auf diesem Weg seine einzig mögliche Erfüllung finden” kann. Es hat hierzu ausgeführt, die Erfüllung des Satzungszweckes bedinge (lediglich), “dass die Mitglieder in ihrer überwiegenden Mehrzahl über eigene Pferde verfügen, die sie reiten, aufstallen und pflegen”. Die Erbringung von Pferdepensionsdienstleistungen gehe aber über den eigentlichen Vereinszweck als auf eigener vertraglicher Regelung beruhende, von den eigentlichen Mitgliedsbeiträgen “abgekoppelte” eigenständige Leistung eigener Art weit hinaus und sei als solche nicht unerlässlich für die Erfüllung des Vereinszwecks.

Im Streitfall kann die vom Verein erbrachte Pensionspferdehaltung, die -entgegen der Auffassung des Finanzamt- offenkundig “in engem Zusammenhang mit Sport und Körperertüchtigung i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG steht, “unerlässlich” im Sinne der dargelegten Rechtsprechung des EuGH sein.

Denn der Verein als Reitverein macht geltend, der angebotene Reitsport in Gestalt der Erteilung von Reitunterricht, der Nutzung der zahlreichen vereinseigenen Anlagen und dem Abhalten von Reitturnieren könne nicht in derselben Qualität und auf demselben Niveau stattfinden, wenn die Sportler nicht auf ihren eigenen Pensionspferden reiten könnten, sondern insoweit auf -die nach Aktenlage wohl nur in geringer Zahl vorhandenen- vereinseigene Pferde bzw. selbst transportierte Tiere angewiesen wären. Der Vereinszweck der “Förderung des Reitsports als Leistungs- und Freizeitbreitensport, sowie [der] Pflege und Erhaltung der Freude am Pferd” könne schon wegen der offenbar großen Anzahl und der für den Regelfall anzunehmenden besonderen Qualität der Pensionspferde im Verhältnis zu den vereinseigenen Pferden sowie dem entsprechenden Umsatzverhältnis nur mithilfe der Pensionspferdehaltung erfüllt werden. Dies wird das Finanzgericht im zweiten Rechtsgang zu prüfen haben. Hierbei ist auch die Größe und Art der Reitsportanlagen des Vereins zu berücksichtigen.

Dem stehen die Ausführungen des Bundesfinanzhofs nicht entgegen, wonach das Merkmal der “Unerlässlichkeit” nicht erfüllt ist, wenn z.B. ein Theaterbesucher die Abgabe von kleinen Speisen und Getränken im Rahmen einer Theaterveranstaltung erwartet und gerne in Anspruch nimmt23. Dieser vom Bundesfinanzhof entschiedene Sachverhalt ist indes nicht vergleichbar mit dem Streitfall, soweit eine angemessene Unterbringung und Verpflegung privater Reitpferde im Rahmen der Pferdepension das Unternehmen eines im Umfang des Vereins betriebenen Reitvereins möglicherweise prägt.

Auch aus der Rechtsprechung des I. Senats des BFH24 ergeben sich keine zwingenden entgegenstehenden Schlussfolgerungen für die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG vorgesehene Steuerbefreiung. Abgesehen davon hat der Verein zutreffend hervorgehoben, dass diese Rechtsprechung durch das spätere Inkrafttreten der Richtlinie 77/388/EWG und die darin enthaltenen Regelungen zur Steuerbefreiung überholt ist.

Das Finanzgericht wird im zweiten Rechtsgang mithin tatsächliche Feststellungen dahingehend nachzuholen haben, ob im Streitjahr 2006 Reitsport auf demselben Niveau und in vergleichbarer Qualität nicht ohne das vom Verein angebotene “Gesamtpaket” gewährleistet wäre.

Das Finanzgericht hat schließlich ausgehend von seinen bislang getroffenen tatsächlichen Feststellungen zu Unrecht angenommen, dass die Voraussetzungen für die Annahme des Ausschlusstatbestandes in Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b zweiter Gedankenstrich der Richtlinie 77/388/EWG erfüllt sind, wonach die Steuerbefreiung aus Wettbewerbsgründen ausgeschlossen sein kann.

Danach kommt die Gewährung der Steuerbefreiung nicht in Betracht, wenn die Dienstleistungen im Wesentlichen dazu bestimmt sind, der Einrichtung zusätzliche Einnahmen durch Tätigkeiten zu verschaffen, die in unmittelbarem Wettbewerb mit Tätigkeiten von der Mehrwertsteuer unterliegenden gewerblichen Unternehmen durchgeführt werden25. In diesem Ausschluss liegt eine spezifische Ausprägung des Grundsatzes der Neutralität, dem es insbesondere zuwiderläuft, dass gleichartige und deshalb miteinander in Wettbewerb stehende Dienstleistungen hinsichtlich der Mehrwertsteuer unterschiedlich behandelt werden (z.B. EuGH, Urteile -Horizon College- in Slg. 2007, I-4793, UR 2007, 587, Rz 42 f.; -Ygeia- in Slg. 2005, I-10373, UR 2006, 150, Rz 32)). Der Grundsatz der steuerlichen Neutralität ist bereits dann verletzt, wenn zwei aus der Sicht des Verbrauchers gleiche oder gleichartige Dienstleistungen, die dieselben Bedürfnisse des Verbrauchers befriedigen, hinsichtlich der Mehrwertsteuer unterschiedlich behandelt werden26. Dienstleistungen sind gleichartig, wenn sie ähnliche Eigenschaften haben und beim Verbraucher nach einem Kriterium der Vergleichbarkeit in der Verwendung denselben Bedürfnissen dienen und wenn die bestehenden Unterschiede die Entscheidung des Durchschnittsverbrauchers, die eine oder die andere dieser Dienstleistungen zu wählen, nicht erheblich beeinflussen27.

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs kommt für Tätigkeiten, die den Kernbereich der Befreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG betreffen, ein Ausschluss nach Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b zweiter Gedankenstrich der Richtlinie 77/388/EWG nicht in Betracht. Ansonsten liefe die Befreiung in weiten Teilen leer28.

Im Streitfall ist das Finanzgericht zwar -auf der Grundlage der von ihm bisher getroffenen Feststellungen- davon ausgegangen, dass die vom Verein im Rahmen der Pensionspferdehaltung erbrachten Dienstleistungen nicht den Kernbereich der Steuerbefreiung betreffen.

Die bisherigen Feststellungen des Finanzgericht tragen indes nicht die Annahme, dass die Voraussetzungen dieses Ausschlusstatbestandes erfüllt sind. Das Finanzgericht hat nämlich nicht festgestellt, ob die Landwirte in der Nachbarschaft Leistungen anbieten, die denen des Vereins zumindest ähnlich sind und deshalb im Wettbewerb mit ihnen stehen.

Das Finanzgericht wird im zweiten Rechtsgang tatsächliche Feststellungen dahingehend nachzuholen haben, ob es im Streitjahr 2006 in räumlicher Nähe des Vereins Betriebe gab, die vergleichbare Leistungen anboten.

Die hiergegen erhobenen -weiteren- Einwendungen des Finanzamt greifen nicht durch.

Soweit das Finanzamt unter Hinweis auf eine Literaturauffassung behauptet, die Unterbringung der Pferde diene nicht unmittelbar der Sportausübung durch die Mitglieder29, ist diese Äußerung nicht zu der vom Verein begehrten Steuerbefreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG, sondern zu § 65 AO ergangen.

Die vom Finanzamt in diesem Zusammenhang genannte Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgericht30 ist im Streitfall gleichfalls nicht einschlägig, weil die entsprechenden Ausführungen sich (ebenfalls) auf § 65 AO und nicht auf die Steuerbefreiung in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG beziehen.

Die tatsächlichen Feststellungen des Finanzgericht rechtfertigen im Übrigen auch nicht seine Entscheidung, dass die vom Verein hilfsweise begehrte Anwendung des ermäßigten Steuersatzes nach § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG nicht in Betracht kommt.

Nach dieser Vorschrift ermäßigt sich die Steuer auf 7 % für die Leistungen der Körperschaften, die ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen (§§ 51 bis 68 AO). Das gilt nicht für Leistungen, die im Rahmen eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs ausgeführt werden.

Danach kommt es im Streitfall -falls die geltend gemachte Steuerbefreiung nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. m der Richtlinie 77/388/EWG nicht eingreift- darauf an, ob der Verein die in Rede stehenden Umsätze im Rahmen eines Zweckbetriebs ausgeführt hat. Denn wenn das Gesetz -wie hier § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG- eine Steuervergünstigung insoweit ausschließt, als ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb (§ 14 AO) unterhalten wird, verliert die Körperschaft gemäß § 64 Abs. 1 AO die Steuervergünstigung für die dem Geschäftsbetrieb zuzuordnenden Umsätze, soweit der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb kein Zweckbetrieb (§§ 65 bis 68 AO) ist31.

Nach § 65 AO ist ein Zweckbetrieb gegeben, wenn

  1. der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb in seiner Gesamtrichtung dazu dient, die steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke der Körperschaft zu verwirklichen,
  2. die Zwecke nur durch einen solchen Geschäftsbetrieb erreicht werden können und
  3. der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb zu nicht begünstigten Betrieben derselben oder ähnlicher Art nicht in größerem Umfang in Wettbewerb tritt, als es bei Erfüllung der steuerbegünstigten Zwecke unvermeidbar ist.

Das Finanzgericht hat die Voraussetzungen des § 65 Nrn. 2 und 3 AO mit der Begründung verneint, der Verein erbringe mit der von ihm angebotenen und von den Vereinsmitgliedern angenommenen Pensionspferdehaltung und den damit verbundenen Zusatz- und Rahmenleistungen eine von dem eigentlichen Vereinszweck losgelöste Tätigkeit eigener Art. Die satzungsmäßigen Zwecke könnten aber nicht nur durch diese (Zusatz-)Leistung erreicht werden, nachdem sowohl eine Nutzung der Reitanlage als auch die Ausübung des Reitsports ohne die Pensionspferdehaltung erfolgen könne, wie sich bereits aus der Nutzung der Anlage durch vereinsfremde Reiter im Rahmen der von dem Verein durchgeführten Turniere ergebe. Die -als eigenständige Leistung zu beurteilende- Dienstleistung stehe zudem in unmittelbarem Wettbewerb zu im unmittelbaren Einzugsbereich des Vereins befindlichen Pferdeeinstellern, die ihre Leistungen zu einem -bezogen auf die Pensionspferdehaltung- vergleichbaren Leistungsangebot und zu vergleichbaren Preisen anböten.

Diese Ausführungen des Finanzgericht und seine dazu bislang getroffenen Feststellungen reichen angesichts des -wie dargelegt- unzweifelhaft bestehenden Zusammenhangs der Pensionspferdeleistungen mit dem im Streitjahr 2006 eingetragenen Satzungszweck “Förderung des Reitsports als Leistungs- und Freizeitbreitensport, sowie die Pflege und Erhaltung der Freude am Pferd” nicht aus, um die Voraussetzungen des § 65 Nr. 2 AO32 zu verneinen.

Entsprechendes gilt für § 65 Nr. 3 AO. Das Finanzgericht hat die Pferdepensionsleistungen zu Unrecht als eigenständige; vom eigentlichen Vereinszweck des Vereins losgelöste Tätigkeit eigener Art beurteilt und hat (lediglich) auf dieser Grundlage einen Wettbewerb i.S. von § 65 Nr. 3 AO33 bejaht, ohne (auch insoweit) den vielfältigen Beweisangeboten des Vereins nachzugehen.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 16. Oktober 2013 – XI R 34/11

  1. vgl. dazu BFH, Urteile in BFHE 233, 269, BFH/NV 2011, 1456, Rz 14 ff.; vom 18.08.2011 – V R 64/09, HFR 2012, 784, Rz 22, jeweils m.w.N. []
  2. vgl. BFH, Urteile in BFHE 221, 451, BFH/NV 2008, 1631, unter II. 2.b, und in BFHE 233, 269, BFH/NV 2011, 1456, Rz 25 []
  3. ständige Rechtsprechung des EuGH, vgl. z.B. EuGH, Urteile vom 10.09.2002 – C-141/00 -Kügler-, Slg. 2002, I-6833, BFH/NV Beilage 2003, 30, Rz 51; und vom 15.11.2012 – C-174/11 -Zimmermann-, HFR 2013, 84, UR 2013, 35, Rz 32; BFH, Urteile vom 19.03.2013 – XI R 47/07, BFHE 240, 439, MwStR 2013, 312; und vom 25.04.2013 – V R 7/11, BFHE 241, 745, BFH/NV 2013, 1521, Rz 17 f., 21 []
  4. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 221, 451, BFH/NV 2008, 1631, unter II. 3. []
  5. BFH, Urteil vom 19.02.2004 – V R 39/02, BFHE 205, 329, BStBl II 2004, 672, unter II. 3.a []
  6. EuGH, Urteile vom 25.02.1999 – C-349/96 -CPP-, Slg. 1999, I-973, UR 1999, 254, Rz 15; vom 08.03.2001 – C-240/99 -Skandia-, Slg. 2001, I-1951, UR 2001, 157, Rz 23; vom 01.12 2005 – C-394/04 und C-395/04 -Ygeia-, Slg. 2005, I-10373, UR 2006, 150, Rz 15; und vom 21.02.2013 – C-18/12 -Mesto Zamberk-, UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 17 []
  7. vgl. EuGH, Urteile vom 20.06.2002 – C-287/00 -Kommission/Deutschland-, Slg. 2002, I-5811, UR 2002, 316, Rz 43; vom 26.05.2005- C-498/03 -Kingscrest Associates und Montecello-, Slg. 2005, I-4427, UR 2005, 453, Rz 29; -Ygeia- in Slg. 2005, I-10373, UR 2006, 150, Rz 15; und -Mesto Zamberk- in UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 19 []
  8. vgl. z.B. EuGH, Urteile vom 10.06.2010 – C-86/09 -Future Health Technologies-, Slg. 2010, I-5215, UR 2010, 540, Rz 30, und -Mesto Zamberk- in UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 19, jeweils m.w.N. []
  9. vgl. EuGH, Urteil -Canterbury Hockey Club- in Slg. 2008, I-7821, UR 2008, 854, Rz 35 []
  10. vgl. EuGH, Urteil -Mesto Zamberk- in UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 23 []
  11. EuGH, Urteil -Canterbury Hockey Club- in Slg. 2008, I-7821, UR 2008, 854, Rz 23 []
  12. EuGH, Urteil -Mesto Zamberk- in UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 33 []
  13. EuGH, Urteil -Mesto Zamberk- in UR 2013, 338, MwStR 2013, 87, Rz 36 []
  14. EuGH, Urteil -Canterbury Hockey Club- in Slg. 2008, I-7821, UR 2008, 854, Rz 32 []
  15. vgl. hierzu BFH, Urteil vom 05.08.2010 – V R 54/09, BFHE 231, 289, BStBl II 2011, 191, Rz 26 []
  16. vgl. z.B. EuGH, Urteile -Ygeia- in Slg. 2005, I-10373, UR 2006, 150, Rz 35; vom 09.02.2006 – C-415/04 -Kinderopvang Enschede-, Slg. 2006, I-1385, BFH/NV Beilage 2006, 256, Rz 28; vom 14.06.2007 – C-434/05 -Horizon College-, Slg. 2007, I-4793, UR 2007, 587, Rz 39, 41; und -Canterbury Hockey Club- in Slg. 2008, I-7821, BFH/NV 2009, 108, Rz 35 []
  17. vgl. z.B. EuGH, Urteile -Kinderopvang Enschede- in Slg. 2006, I-1385, BFH/NV Beilage 2006, 256, Rz 27 f., 30, und -Horizon College- in Slg. 2007, I-4793, UR 2007, 587, Rz 39 f. []
  18. BFH, Urteil in BFHE 221, 451, BFH/NV 2008, 1631 []
  19. BFH, Urteil in BFHE 233, 269, BFH/NV 2011, 1456 []
  20. ebenso FG Köln, Urteil vom 22.01.2008 – 6 K 2707/03, EFG 2008, 1829, unter III. 1.b bb []
  21. BFH, Urteile vom 25.01.2006 – V R 46/04, BFHE 211, 571, BStBl II 2006, 481; vom 27.04.2006 – V R 53/04, BFHE 213, 256, BStBl II 2007, 16 []
  22. vgl. BFH, Urteil in BFHE 211, 571, BStBl II 2006, 481, unter II. 2.b, sowie BFH, Urteil in BFHE 213, 256, BStBl II 2007, 16, unter II. 1.d []
  23. BFH, Urteil vom 18.08.2005 – V R 20/03, BFHE 211, 85, BStBl II 2005, 910, unter II. 3.b (2) []
  24. BFH, Urteil vom 02.10.1968 – I R 40/68, BFHE 93, 522, BStBl II 1969, 43 []
  25. EuGH, Urteil -Canterbury Hockey Club- in Slg. 2008, I-7821, UR 2008, 854, Rz 33 []
  26. vgl. z.B. EuGH, Urteil vom 10.11.2011 – C-259/10 und C-260/10 -The Rank Group-, Slg. 2011, I-10947, UR 2012, 104, Rz 36 []
  27. EuGH, Urteil -The Rank Group- in Slg. 2011, I-10947, UR 2012, 104, Rz 44 []
  28. vgl. BFH, Urteile in BFHE 221, 451, BFH/NV 2008, 1631, unter II. 3.c aa, und in BFHE 233, 269, BFH/NV 2011, 1456 []
  29. vgl. Fischer, juris-PR-SteuerR 16/2004 Anm. 6 unter C.02. a.E. zu BFH, Urteil in BFHE 205, 329, BStBl II 2004, 672 []
  30. Nds. FG, Urteil vom 24.04.2008 – 16 K 334/07 []
  31. vgl. BFH, Urteil in BFHE 205, 329, BStBl II 2004, 672, unter II. 2. []
  32. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 205, 329, BStBl II 2004, 672, unter II. 2.a []
  33. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 205, 329, BStBl II 2004, 672, unter II. 2.b []